Mathematische Brücken zur Informatik bauen

Vierte Alexander von Humboldt-Professur für die TUDa – Preisträger Dr. Michał Pilipczuk

Eine von acht Alexander von Humboldt-Professuren geht an die TU Darmstadt: Der von der TU nominierte Mathematiker und Informatiker Dr. habil. Michał Pilipczuk ist für den höchstdotierten internationalen Forschungspreis Deutschlands ausgewählt worden. Von seiner Forschung an der Schnittstelle von diskreter Mathematik und theoretischer Informatik profitiert insbesondere auch der Exzellenzcluster Reasonable Artificial Intelligence (RAI).

„Michał Pilipczuk ist ein international ausgewiesener Spitzenforscher, der mit seinen wegweisenden Arbeiten an den Schnittstellen von Mathematik und Informatik hervorragend zu unserer Vision als TU Darmstadt und in der Allianz der Rhein-Main-Universitäten (RMU) passt“, so TU-Präsidentin Tanja Brühl. „Durch seine prägenden Beiträge und sein weitreichendes Netzwerk wird er die Forschung in unserem Forschungsfeld I+I nachhaltig verstärken und das Zusammenwirken in der RMU weiter vertiefen. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit einem inspirierenden und ideenstarken Kollegen.“

Mit Dr. Michał Pilipczuk hat die TU Darmstadt einen der international führenden Forscher auf den Gebieten Algorithmendesign, logische Methoden in der Informatik und strukturelle Graphentheorie anwerben können. Durch die Gewinnung von Pilipczuk rücken die schon jetzt eng verzahnten Fachbereiche Informatik und Mathematik der TU Darmstadt noch ein Stück näher zusammen.

Moderne KI-Ansätze mit automatisierter Logik kombinieren

Bereits jetzt ist an der TU Darmstadt – anders als an anderen deutschen Universitäten – ein großer Teil der theoretischen Informatikforschung am Fachbereich Mathematik angesiedelt. Die TU ist Vorreiterin in der Forschung an der Schnittstelle beider Disziplinen – einem Feld, dem durch den Siegeszug der Künstlichen Intelligenz (KI) in Zukunft eine zentrale Rolle zukommen wird. Ziel ist, beide Bereiche so zu positionieren, dass sie den Herausforderungen und Chancen der KI-Revolution gewachsen sind, indem moderne KI-Ansätze mit strenger automatisierter Logik kombiniert werden. Dies ist von entscheidender Bedeutung für die nächste Generation vertrauenswürdiger KI.

Insbesondere algorithmische Methoden mit formalen Garantien – eines der Kernkompetenzgebiete des neuen Humboldt-Professors – werden entscheidend sein, um zukünftige Rechensysteme mit formalen Argumentationswerkzeugen zu verknüpfen und so die Übereinstimmung mit menschlichen Werten und gesellschaftlichen Normen sicherzustellen; also Systeme zu entwickeln, die effizient, transparent, erklärbar und nachvollziehbar sind. Von Pilipczuks Expertise wird damit auch der Exzellenzcluster Reasonable Artificial Intelligence (RAI) profitieren, der sich der Entwicklung einer neuen Generation von KI-Systemen widmet, die auf vernünftiger Ressourcennutzung, Datenschutz und kontinuierlicher Verbesserung basieren. Pilipczuk wird außerdem das Forschungsfeld Information and Intelligence (I+I) verstärken.

Zentrum für die mathematischen Grundlagen der Informatik geplant

Perspektivisch soll im Rahmen der Rhein-Main-Universitäten (RMU) ein Zentrum für die mathematischen Grundlagen der Informatik aufgebaut werden, das die TU Darmstadt gemeinsam mit der Goethe-Universität Frankfurt und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz als eine der führenden Institutionen an der Schnittstelle zwischen diskreter Mathematik und Informatik positionieren wird. Dieses Ziel steht auch im Zusammenhang mit der gemeinsamen Bewerbung der RMU-Partner um den Status eines Exzellenzverbunds. Pilipczuk wird dabei eine herausragende wissenschaftliche Persönlichkeit und ein zentraler Bestandteil des künftigen Zentrums sein.

Die Berufung von Herrn Pilipczuk ist in besonderer Weise mit den strategischen Zielen der RMU im Rahmen des Exzellenantrags EXCITE verbunden und eröffnet neue Möglichkeiten für die komplementäre Zusammenarbeit der Standorte und Disziplinen innerhalb der RMU. Bereits heute forschen und lehren zehn Arbeitsgruppen der RMU gemeinsam an der Schnittstelle von Mathematik und Informatik. Pilipczuks Berufung stärkt diese Entwicklung substantiell und baut den Forschungsbereich der diskreten Mathematik als der Teil der „Area of Potential: Modeling Science“ gezielt aus. Zugleich unterstützt die Berufung das langfristige Ziel von EXCITE im Rahmen der RMU zwölf strategische Spitzenberufungen auf dem Niveau von Alexander von Humboldt-Professuren zu etablieren.

Zur Person

Michał Pilipczuk schloss 2011 sein Masterstudium der Informatik und 2013 sein Masterstudium der Mathematik an der Universität Warschau ab. 2013 erhielt er seinen Doktortitel in Informatik an der Universität Bergen. Nach dem Abschluss seines PhD kehrte Pilipczuk 2014 an die Fakultät für Mathematik, Informatik und Mechanik der Universität Warschau zurück. 2015 wurde er zum Assistenzprofessor ernannt, im Alter von 27 Jahren. 2020 erhielt er einen ERC Starting Grant für sein Projekt „BOBR – Decomposition Methods for Discrete Problems“. 2021 schloss er seine Habilitation ab und wurde 2022 Associate-Professor. 2025 folgte ein ERC Consolidator Grant für ”Towards a unified structure theory for dense graphs (WYDRA)”.

Pilipczuk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Dazu gehören der renommierte Cor Baayen Award für herausragende Early Career Researchers in Informatik und angewandter Mathematik und der Witold Lipski Award für junge polnische Informatiker.

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Alexander von Humboldt-Professur

Die Alexander von Humboldt-Professur ist der höchstdotierte deutsche Wissenschaftspreis und wird ausschließlich an Spitzenforscher:innen verliehen, die in ihrem Fachgebiet weltweit führend sowie im Ausland tätig sind. Die Humboldt-Professur wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) finanziert. Sie ermöglicht die Durchführung langfristiger zukunftsweisender Forschungen an Hochschulen und Forschungseinrichtungen hierzulande und trägt zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Forschungsstandortes Deutschland nachhaltig bei. Seit 2008 werden dafür jedes Jahr bis zu zehn Humboldt-Professuren vergeben. Seit 2026 ermöglicht es das das 1000-Köpfe-Plus-Programm des BMFTR, Humboldt-Professuren mit einer Förderung von bis zu zehn Millionen Euro zu vergeben.

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Bettina Bastian / TU Darmstadt